Daheim, Wald, Knospen

Wieder daheim, nach einer quälend langen Heimreise, schon seit zwei Tagen großes Heimweh! Und es dauert und dauert, bis endlich zuhause die Tür aufgeht und diese Wesen mir in die Arme fliegen und mich fast erdrücken. Die süßen Tentakel der Liebe. Ach.

Die Lichter sind aus, die Reste in den letzten Flaschen sind schal. Mein Haushalt steht Kopf nach zwei Wochen Abwesenheit, er schaut mich schief an, ich glotze zurück und denke, na super.

Jetzt nicht müde werden, nicht die Energie verlieren, etwas machen, ganz, ganz schnell! Pläne machen, Struktur und wieder raus! Tatsache ist, dass ich sehr müde werde und tagelang das Bett nur für dringende Notfälle verlasse… Bis mir entsetzlich langweilig wird. Dann bin ich wirklich wieder zuhause angekommen.

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Ich mag Langeweile, ich finde Langeweile gut! Nur wer sich langweilt, kommt auf wirklich neue Ideen, sage ich meinen Kindern immer. Und es ist toll, nichts zu tun zu haben, das sollte man genießen! Mir wurde früher gesagt, Achtung, schrecklich: „Ein intelligentes Kind langweilt sich nie“, was mich tendenziell immer eher zum Kotzen… naja, lassen wir das. Es war letztlich wahrscheinlich sogar dasselbe gemeint, nur halt echt miserabel ausgedrückt.

Was aber immer hilft, egal ob gelangweilt, schlaflos, Liebeskummer, Hormonprobleme, zu müde, zu wach….ist der Wald! Raus! Es gibt eine Therapieform in der Naturheilkunde – es gibt ja so viele, dieser Tisch ist reich gedeckt, man kann dermaßen viel ausprobieren, das ist wirklich wunderbar!- also es gibt eine, die heißt Silvotherapie. „Willst du gesund werden, dann suche den Wald.“, lautet die Devise und es gibt diese Berichte von Leuten, die vor unheilbaren Diagnosen in den Wald geflohen sind und dort ihr Leben wiederfanden. Warum ist das so? Und: Wie kann ich das jetzt formulieren, ohne dass es wieder mal zu, ja, esoterisch klingt? (Warum diese Schreckstarre vor der Esoterik? Warum? Darüber will ich mal nachdenken, hat einer eine Idee, wie es besser geht? Der möge mir doch schreiben! Bitte!)

Ich fange wissenschaftlich an, das kommt immer gut, das liest dann auch mein Mann. Vielleicht. Wenn der nicht gerade seine Mails beantworten muss, denn die gehen vor und multitasking … Aber das ist definitiv eine andere Geschichte.

Also, die Geschichte mit dem therapeutischen Wert des Waldes hat natürlich, wie kann es anders sein, ein Förster entdeckt, Lucien Chancerel, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und die Methode wurde angewandt zur Prävention und zur Behandlung von Krankheiten wie Bluthochdruck, Nervosität, Bronchitis, Stress oder Schlaflosigkeit. And there is more: Wälder produzieren große Mengen an antibiotischen Stoffen, Phytonzide genannt. Die Waldluft wird gereinigt durch die in den ätherischen Ölen vorhandenen Substanzen. Jede Baumart hat seine spezifische Wirkrichtung, auch das wurde erforscht. Die ätherischen Öle der Fichte töten Diphterie-Erreger, die der Kiefer Tuberkulose-Bazillen und die Birke besitzt tumorhemmende Eigenschaften. Im Sommer wird naturgemäß mehr produziert, das kann man ja riechen…So dass u.a. in Spanien Wälder speziell zu therapeutischen Zwecken angelegt wurden!

Im Wald beruhigen sich Atem und Herzfrequenz und die Luft ist angereichert mit negativen Sauerstoffionen, die vor allem die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessern.

Genug Gründe, jetzt sofort rauszugehen? Hier sind noch ein paar, warum man das auch in der kalten Jahreszeit nicht versäumen sollte: zur Silvotherapie gehört die Gemmotherapie, also die Therapie mit Knospen, dem pflanzlichen Embryonalgewebe, und die kann man jetzt schon anfangen, zu knabbern!

Sucht euch eine Birke oder, schon schwieriger, eine Schwarzpappel! Fragt (den Baum! Ja, macht das besser, dann habt ihr das richtige Bewusstsein dafür; tut ihr es nicht, kann das ins Auge gehen, allen Ernstes, ist mir mal so passiert, so ein Hornhautriss tut richtig fies weh!!), ob es okay ist und dann pflückt ein/ zwei Knospen und kaut sie. Schmeckt irre und gibt Energie ohne Ende! Birke stärkt das Immunsystem, Ahorn soll Verhärtungen entgegenwirken, Erle die Blutversorgung im Gehirn verbessern, Linde ist lecker und angst- und krampflösend und Rosskastanie bitter und gut gegen Blutstau in den Beinen, die Schwarzpappel eher scharf und intensiv, sie pflegt das Gefäßsystem, v.a. der unteren Extremitäten… Um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.

Nehmt euch das alte Baumbestimmbuch tief unten aus dem Bücherregal hervor oder besorgt euch eins!

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Ich bin dann rausgegangen. Und draußen lag Schnee. Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die euphorisch aufkreischen, wenn Schnee liegt und „Pulverschnee, geil, Snowboard, Tiefschnee, Après-Ski!“ quietschen und sich wie blöd auf die Pisten schmeißen und runterbrettern was das Zeug hält und sich dabei massenhaft Verletzungen holen. Kann, darf und muss unsereins dann Erstversorgung üben… Und ich gehöre auch nicht zu denen, die beim Anblick der Flocken richtig schlechte Laune kriegen, weil sie an Schneeschippen, Autopannen und Stau denken. Nein! Mir gefällt Schnee, weil er für Ruhe sorgt. Weil endlich mal Stille herrscht, weil das Bunte und auch der Dreck zugedeckt ist wie mit einem weißen Stück Papier. Friede. Er gibt mir das Gefühl -besonders dieses Jahr, nachdem wir letztes Jahr GAR KEINEN Schnee hatten, was für diese Stadt doch sehr ungewöhnlich war – das Gefühl also, dass es so ist, wie es sein soll. Alles ist mal für einen Moment erstarrt, eingefroren. Ein Ende, das vor den Neuanfang gehört. Weißes Blatt, auf dem irgendwann neue Geschichten stehen. „Wie geht es weiter?“ frage ich mich und bin sehr gespannt.

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Ein Gedanke zu “Daheim, Wald, Knospen

  1. susanne schreibt:

    und nun in den wald … schauen und essen, oder? Muss ich der Schwägerin erzählen, die halbert im Wald lebt, ihn pflegt und hegt.
    Bettina, das ist eine wunderbare lebensnahe mischung. Les ich gern…

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