Wermut oder wer das findet, was er gesucht hat, verpasst vielleicht etwas viel Besseres…

Was für ein schöner Regen! Durch tiefe Pfützen platschen, die Luft wird gewaschen, der Keller läuft voll; ich setze mich gern an den Computer mit einem Glas warmem Wasser mit Waldmeistersirup…

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Das ist Tee. Noch nicht einmal das Foto vom Wermut hat sich erhalten. Es ist weg. Die Schnecken?

Ich gebe ja seit einiger Zeit diese Kurse bei Opflanzt is. Anfang des Jahres wurde ich gebeten, das Programm zu erstellen. Das war eine intensive Zeit für mich und auch eine große Aufgabe, denn ich arbeite am liebsten mit den aktuellen Pflanzen, die man sehen , riechen, schmecken, fühlen kann und nicht  mit powerpoint-Präsentationen. Und man weiß am Anfang des Jahres noch nicht so genau, was wann wie gewachsen ist.

Und nun kam der Juni-Kurs, bei dem ich die Hildegard-Wermutkur besprechen wollte. Den Wermuttrank bereite ich aus der Pflanze in meinem Garten zu, was besonders einfach geht, seitdem ich mir letztes Jahr eine Frischsaftpresse gekauft habe. Tolle Kur, einfache Sache, so weit so gut. Den Wermuttrank nimmt man von Mai bis Oktober jeden zweiten Tag nüchtern vor dem Frühstück ein, jeweils ein Likörglas. Den „wichtigsten Meister gegen alle Erschöpfungen“ hat sie es genannt, er klärt die Nieren und das Blut und beugt so Arteriosklerose vor und reinigt die Augen.Ich habe mich schon richtig gefreut auf den bitter-süßen, aromatischen Geschmack! Wermut, eine der bittersten Pflanzen, die wir haben, ist dabei nicht so kühlend wie andere Bitterpflanzen, sondern hat viele ätherische Öle, die wärmend wirken.

So. Ich gehe in den Garten zu meinem Wermut und – er ist weg! Nicht mehr da. Eine 5jährige Pflanze, die keine Feinde zu haben schien.

Hm, denke ich und besorge mir vorsichtshalber rechtzeitig eine neue, damit ich dann ernten kann, wenn der Kurs ansteht. Pflanze sie ein und fahre in den Urlaub.

Komme zurück und finde – nichts! Auch diese Pflanze vom Erdboden verschwunden! Die Schnecken haben sich doch noch nie dafür interessiert, dieses Jahr scheinen auch sie eine Kur gegen ihre Erschöpfungen zu brauchen.

Schnecken, so habe ich neulich in einer Abhandlung gelesen, wollen eigentlich nur eines: aufräumen. Sie wittern Pflanzen und verstoffwechseln sie. An sich habe ich ja nichts dagegen, nur momentan hätte ich gern einen Verhandlungsspielraum mit ihnen. Ich würde ihnen gewisse Pflanzen anbieten, wenn sie andere dafür in Ruhe lassen. Naja.

Noch bin ich gelassen und denke, es gibt ja noch andere Quellen für Wermut…

Nein, die gibt es nicht, muss ich feststellen. Den Kräuterproduzenten hier im Münchner Norden, den ein Freund neulich beim Motorradfahren entdeckt hat, finde ich tatsächlich nach 2-stündiger Suche und das ist eine andere, traurige Geschichte: ein Riesenhof, „Kräuter und Heilpflanzen“ steht draußen angeschrieben. Riesiges, verlassenes Gelände, aber sehr proper aufgeräumt, schon die Einfahrt ist ersichtlich unkrautbefreit und mir schwant nichts Gutes. Und wirklich: Schließlich finde ich 2 Arbeiter und spreche sie an. Nein, Wermut führen sie schon lange nicht mehr, früher, ja, da gab es das schon, aber das wird heute nicht mehr nachgefragt. Was sich denn machen, will ich wissen. „Petersilie, Schnittlauch, Dill, ein bisschen Liebstöckel.Kommt alles in die Trocknungsanlage.“ „Konventionell?“,  hätte ich gar nicht fragen brauchen. Ich will einen Liebstöckel und einen Dill mitnehmen, der eine geht 2 Pflanzen holen. Der andere kommt zurück, und das war echt gruselig: „Ich hobs gseng. Nachts umma 3, da spritzens alle!“, raunt er mir zu. Ich schaue mich um, aber er meint mich, das ist klar: „Was?!“ –„Alle! Die mit ihrem Bio-Anbau! Heimlich, alle spritzens Gift. Ist reiner Beschiss!“ Damit geht er. Und der andere kommt zurück. Erleichtert nehme ich die beiden Pflanzen, drücke ihm 5 € in die Hand und fühle mich so, als hätte ich gerade 2 Tiere aus der Massentierhaltung befreit.

Kurz, so geht es weiter: es ist kein Wermut aufzutreiben. Ich rufe noch bei online-Händlern an und werde fündig, ja, in Norddeutschland gibt es noch kleine Pflänzchen, wieviel ich bräuchte? Ich erkundige mich nach den Lieferzeiten, 4-6 Wochen, „Wir ham jo Säsong!“, das nützt mir also jetzt auch nichts.

Ein letzter Versuch, das ÖBZ bei mir um die Ecke, nein, auch dort nix. ABER: die Leute sind so nett zu mir, als ich spontan hinfahre und durch den Garten geführt werde. Ja, man hat schon von mir  und meinen Kursengehört…

…Und nun werde ich wohl auch dort ab und an Kurse geben dürfen!!

Was man am Ende findet, ist nicht immer das, was man unbedingt gesucht hat, aber vielleicht etwas viel Besseres.

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                                                                                                                                                 Regen in Buchenegg

Wenn dies jemand liest, der eine gesunde lebende Wermutpflanze hat und davon etwas abgeben kann, der möge sich bitte bei mir melden…

Die nächsten Kurse:

3.-5.7. Waldkurs in Buchenegg (Fast voll!)

12.7. bei Opflanzt: Kräutersalze und andere enzymat. Auszüge, Johanniskräuter, Giftpflanzen. Und, wer weiß, vielleicht treibe ich genug Wermut auf…

26.7. bei Opflanzt: Calendulasalbe, Wolfskräuter, Fliederbeersuppe und Mädesüß-Wasser

Änderungen vorbehalten!!!

Anmeldungen unter krautundueben@posteo.de

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2 Gedanken zu “Wermut oder wer das findet, was er gesucht hat, verpasst vielleicht etwas viel Besseres…

  1. Michael schreibt:

    Es macht Spaß, diese Texte zu lesen; die sind informativ , humorvoll und haben eine sehr persönliche Handschrift. Freue mich auf mehr!

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  2. Anna Sch. schreibt:

    Liebe Bettina, was für eine Odysee… und ein schöner Beitrag zur Unplanbarkeit der Planbarkeit. Deine Alternative mit dem „Herzwein“ im Juni-Kurs war aber auch toll! 🙂 Wahrscheinlich hatten die Schnecken den Wermut dieses Jahr einfach nötiger als wir… es sei ihnen gegönnt! Bis bald beim Waldkurs!

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