Calí, Teil 2

Bienal de la danza.
Nun haben wir den zweiten Teil schon hinter uns. Calí, die große, recht grüne Stadt, wo alle tanzen.

Wir haben viel Theater gesehen, viel Tanz, die Wärme genossen (wenn es auch leider nicht ganz so heiß war wie in Cartagena). Wir haben Müll und Armut gesehen, aber auch eine Universität im Park, wo vor dem Hörsaal die Mangos wachsen, ein riesiger, recht heruntergekommener Campus, eigenartig wild und schön. Und voller junger, gebildeter Leute in allen Farben.
Wir saßen viel in Taxis, hier ist es noch so, dass man auch auf der Straße in eines einsteigen kann, in Bogotá wird das anders sein. Dort muss man es anrufen, möglichst von einem Restaurant, man muss Zeugen haben, sonst braucht man sich wohl nicht zu wundern, wenn etwas passiert…
Verhaltensmaßnahmen, die ungewohnt sind. Und man muss spanisch sprechen, sonst kommt man gar nicht weiter.
Dann allerdings ist alles einfach. Jeder gibt freundlich Hilfe, ein Sport scheint zu sein, Kontakte zu vermitteln, Leute zu verbinden. Dann surft man auf einer Welle, wird weitergereicht und hat die schönsten Begegnungen.

Von den Stücken, die ich gesehen habe, hat mich am meisten beeindruckt das Stück über Kazuo Ono mit Musik von Leonard Cohen. Nicht nur der Tanz selber, sondern die Liebe, die die Gruppe und vor allem ihr Leiter ausstrahlt. In seiner berührenden Ansprache vor dem Stück erfuhr ich von den Anschlägen in Paris und er sprach von Vergebung und Verzeihung. Ein Thema, das auch das größte hier in Kolumbien ist, denn um das Trauma der eigenen Geschichte und der Gewalt zu überwinden, braucht es vor allem immer wieder eines: das Aussprechen dessen, was geschehen ist, das Konfrontieren und dann die Vergebung. Die einzige Möglichkeit, Terror zu stoppen. Der Schmerz mag noch so groß sein…

Das andere Stück ging über den Drogenboss Pablo Escobar und zeigte seine zwiespältige Persönlichkeit. Sehr professionell, sehr phantasievoll, bunt, krass und komisch.

Und gestern Abend, schon hier in Bogotá, gab es eines über unser Thema, Biodiversität und – ja, es ist möglich, dieses Thema mit theatralen Mitteln zu bearbeiten! 4 Indigenas, 3 kolumbianisch/deutsche Tänzer und 2 Musiker führten das Publikum in das Leben und den Glauben der Misak ein. Man ging raus aus dem Theater, spielte ein Spiel, lernte Maisanbau, Hüttenbau und Chicha-Zubereitung. Chicha ist ein Maisgetränk. Am Ende tanzten alle Tänzer zusammen, vollführten gemeinsam die Bewegungen des Alltags und der Rituale. Voller Würde und Kraft. Und auch Witz. Draußen im Park, ich hatte alle warmen Sachen an, die ich mitgebracht habe, sogar eine Mütze auf dem Kopf.
Ach, Cartagena, wie schön warm war es dort….

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