Teil 4, Cajíca und Guatavita

 

So. Heute fliege ich wieder heim. Ratzfatz, um. Noch viel mehr will ich sehen, haben wir etwa zu viele Pausen gemacht? Noch nach Medellin, in die Wälder, zu den Dörfern, anderes Essen probieren, besser sprechen, schnell!! Das kann es doch wohl nicht schon gewesen sein!

Ach, das ist also das Reisefieber, das so viele ständig haben, das war mir ja immer eher fremd. Aber hier… das hat mich wohl verändert. Ständig war ich herausgefordert, meine Komfort-Zonen zu verlassen, ging ja nicht anders. Aufpassen, sich anpassen, abchecken, dankbar sein, fragen, sich öffnen.

Nur einen Moment war ich unachtsam und das führte dann auch zu dem schlimmsten Unfall auf der Reise: beim Friseur. Mit der Schere. So lustig, wie wir beide in den Laden reingestolpert sind, beide gleichzeitig wollten wir uns die Haare schneiden lassen, erklärten der netten, etwas verunsicherten Friseurin, dass ich viele, viele Stufen haben wollte. Ratlos und ungläubig schnitt sie drauflos und war nach fünf (!) Minuten fertig, sagte schlau, dass das besser an der Luft trocknen sollte. Das getrocknete Ergebnis ist so schrecklich, dass ich viel Humor brauche und einen langen Atem, bis das wieder gut ist…

Der Höhepunkt der letzten Tage war der Besuch bei dem Indigena-Lider Sebastián, mit dem wir ein langes Interview geführt haben. Und vielleicht der schönste Moment überhaupt war der, als er uns seine Unterstützung und die Unterstützung der Gruppen, denen er vorsteht zugesichert hat! Er sagte, die Natur hätte uns zusammen geführt und gemeinsam könnten wir das Bewusstsein bei den Menschen verändern. Damit mehr Menschen merken, dass wir alle Teil der Natur sind, damit wir sie bewahren, damit wir erkennen, dass die Natur über uns steht, nicht umgekehrt. Er bezeichnete sein Volk als die Hüter der Natur und in dem Moment ist mir bewusst geworden, dass wir am Ziel unserer Reise angekommen sind.

Wir haben nach den Wurzeln gesucht und hier, direkt vor uns, mit uns sprach einer, der das alte Wissen, das bei uns verloren gegangen ist, noch hat, der es in eine uns verständliche Sprache übersetzen kann! Das Wissen, die Traditionen seines Volkes gehen direkt, ungebrochen zurück bis in eine Zeit, als alles Wissen noch unmittelbar war!

Wir möchten ihn gern zu uns einladen, er war auch schon mehrfach in Deutschland und wäre gern bereit und sehr interessiert an einem Austausch.

Ansonsten war es mir eine Freude, spontan bei dem Garten-Workshop im Goethe-Institut in Bogotá über die Pflanzen dort, über den Holunder, den es hier überall in der Stadt gibt und über die Ursprünge von Weihnachten zu sprechen. Schön, etwas zurückgeben zu können dafür, dass sie uns so sehr unterstützen!

Und zum Abschluss unserer Reise sind wir zur Lagune von Guatavita gefahren, der heiligen Lagune, in der der Legende nach El Dorado stattgefunden haben soll, also die sagenhaften Goldopfer der Muiscas zur Krönung eines neuen Herrschers. Ein traumhaft schöner, akribisch geschützter Ort, dem es heute gut geht und an dem wieder Zeremonien stattfinden. Wie ein Spiegel liegt der See da, umgeben von nichts als nur Bäumen und Büschen. Man wird hingeführt und darf den See nur von weit oben aus sicherer Entfernung anschauen, um das fragile Ökosystem nicht zu verletzen. Natürlich möchte man hin, möchte das Wasser riechen, berühren, ganz nah sein, um etwas von der Energie in sich aufzunehmen. Aber sicher ist es besser, ihn so zu behüten.

Und hier hat alles angefangen…

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