Esst kein Fleisch. Bitte.

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Die Natur ist alles, was uns umgibt. Ein Netzwerk, dessen Teil wir sind. Jede Handlung verändert das Ganze.

Die Zeit können wir nicht aufhalten. Nicht mit guten Worten.

Vielleicht ist es gut so, dass wir Menschen im Begriff sind, uns auszulöschen. Vielleicht sollte uns niemand aufhalten, vielleicht ist der Prozess auch nicht mehr aufzuhalten, vielleicht ist es schon längst zu spät. Die Zeiten sind unruhig, lese ich fast täglich in der Zeitung. Überall auf der Welt entstehen neue Herde, unfassbare Grausamkeiten geschehen in immer größerer Geschwindigkeit und direkt vor unseren Augen.  Die Folge sind Völkerwanderungen, gegen die es keine Deiche geben wird.

Es gibt ganze Kontinente, die sich aus purer Gier einzelner Großkonzerne ihren Boden, ihre Erde zerstören lassen. Die ihre Felder mit Chemikalien überziehen, die der Erosion nicht Einhalt gebieten, die den Hunger nach Fleisch und nach Unterhaltung weiter schüren. Wider aller Vernunft, offenen Auges. Die Gier, der Konsum, die Verführung zu einer vermeintlichen Bequemlichkeit führt dazu, dass wir uns entmündigen lassen. Wir schenken den falschen Propheten unseren Glauben, damit wir noch ein bisschen mehr Spaß haben.

Statt für unsere Nahrung, unsere Gesundheit und unser Leben selbst die Verantwortung zu übernehmen, anstatt die Konsequenzen unseres Handelns zu erkennen, benehmen wir uns wie Kinder, die sich bespaßen lassen, die noch ein bisschen mehr Süßes essen wollen, noch etwas länger fernsehen mögen und nur aus Versehen die Erde kaputtgemacht haben.

Denn wir leben alle mittlerweile unten am Fluss, dort, wohin der Dreck gespült wird, es gibt kein Entkommen.

Aber es mag sein, dass es gut ist, wenn es schnell und immer schneller zu Ende geht mit uns.  Die Apokalypse, das große Finale, ein großer Reinigungsprozess und dann folgt ein Neuanfang. Ohne uns. So wie in dem Witz: Es treffen sich ein paar Planeten und der eine sagt zur Erde: „Du siehst aber schlecht aus. Warst du krank?“ – „Ich hatte homo sapiens.“  Für die Erde sind wir nur eine kurze, schmutzige Episode.

Oder wir gehen einen Weg, der eine andere Möglichkeit darstellt. Wir können immer noch alles haben, noch ist es nicht ganz verschwunden, wir können einfach unsere Kinder an die Hand nehmen, die elektronischen Geräte einmal ausstellen und rausgehen. Ein einfaches Leben leben, Gemüse anbauen. Riechen, fühlen, schmecken und lauschen. Erde in die Hand nehmen, gute Erde, die ist kein Dreck, die lebt und die nährt uns. Und den alten Geschichten zuhören, die unsere Vorfahren noch wussten, bevor hier Schluss für uns ist.

Wir kennen die neuesten Apps, aber keine zehn Laubbäume und unsere Kinder füttern wir mit Müll. In den Supermärkten werden Verpackungen angeboten, in denen sich nahrungsähnliche Substanzen befinden, die in irgendeiner Fabrik produziert wurden. Aber vor der Nahrung, die in unserem Garten teilweise ungefragt wächst, haben wir Angst, weil uns keiner gesagt hat, dass wir Brennnesseln essen können. Im Gegenteil, wir glauben denen, die uns warnen vor selbst geernteten Pflanzen, und geben das Wissen unserer Großeltern einfach den Konzernen. Lindenblätter, Birkenblätter kann ich essen? Lieber konsumieren wir Sushi-Algen aus fernen Ländern, wo das Verfallsdatum bitte draufgedruckt ist, damit der Hersteller die Verantwortung übernimmt und wir es beizeiten, so früh wie möglich, entsorgen. Und schnell ein neues Produkt kaufen müssen.

Spaßbremse, Spielverderber, Heulsuse, Sand im Getriebe. „Wir werden doch in jedem Jahr ein paar Monate älter, so schlimm kann das mit der Umweltzerstörung doch gar nicht sein.“, sagt mein Nachbar mit der Giftspritze in der Hand, mit der er seinen Rosen Glanz auf die Blüte zaubert und den Weg in seinem Garten frei von lästigem Bewuchs hält. Und die großen Firmen säuseln in Hochglanzbroschüren von gesundem Pflanzenwachstum, wenn man ihrem genetisch und chemisch veränderten Saatgut vertraut. Dass die Insekten massenhaft sterben, ist doch auch ganz praktisch. Weniger Schmutz auf der Windschutzscheibe im Sommer. Alles hat seinen Preis.

Wenn wir uns entschließen könnten, nicht das „konventionelle“ Erzeugnis zu subventionieren und es auch nicht mehr so nennen, sondern „chemisch, mit Hilfe von Pestiziden und Herbiziden erzeugt“. Das biologische, das nachhaltig erzeugte Nahrungsmittel sollten  wir „konventionell“ nennen und subventionieren, dann könnte es sich jeder leisten und alle würden satt. Und wenn wir wenigstens an den meisten Tagen der Woche auf Fleisch verzichten würden, dann gäbe es ein gesundes Leben auch noch für unsere Kinder und KIndeskinder!

Die Fleischproduktion mit der dazu gehörenden Futtermittelherstellung ist der größte Umweltzerstörer, Verzicht auf Fleisch wäre ein erster Schritt, wahrscheinlich würde der schon ausreichen. Esst kein Fleisch! Oder wenigstens, nur ganz, ganz wenig.

Aber wie gesagt, vielleicht ist es auch alles ganz gut so.

 

 

 

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4 Gedanken zu “Esst kein Fleisch. Bitte.

  1. Krämer Etelka schreibt:

    Dein Kommentar hat mir wirklich gut gefallen und ich esse sowieso kein Fleisch.
    Ich möchte auch sehr gerne bei einen Deiner Exkursionen mitmachen, leider habe ich am
    10.4. keine Zeit. Bitte schreibe mir aber weiter, wann wieder etwas bei Dir in der Praxis
    stattfindet. Herzliche Grüße Etelka

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  2. Florian Drechsel schreibt:

    Puh. Gut auf den Punkt gebracht. Oder auf die paar Punkte, die eigentlich jeder kennt. „Und unsere Kinder füttern wir mit Müll“. Das hat gesessen, Danke, weiter so.

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  3. Felix Eder schreibt:

    Mir fällt ein, dass dieses Gedicht dazupasst, auch wenn es nicht direkt ums Fleischessen geht.

    Bleiben Sie stehn
    Und sehn die Bewegung,
    wie sich die Welt
    vor Ihnen dreht.
    Bleiben Sie stehn,
    bis Sie zum ersten Mal glauben,
    nicht richtig zu sehn.
    Sie greifen sich an den Kopf.
    Das kann doch nicht wahr sein!
    Wissen die nicht, was sie tun?
    Am liebsten möchten Sie gehn,
    denn es tut Ihnen weh,
    dass der Schnee
    nicht mehr der Schnee ist,
    der er gestern noch war.
    Dass der Regen nicht fällt,
    wo man ihn braucht.
    Sie sind sprachlos,
    und lassen es mit sich geschehn.
    Sie können ja schliesslich nichts tun,
    denn andernfalls würden Sie
    nicht eher ruhn, als dass…

    Bleiben Sie stehn
    Und sehn
    Wie vor ihrer
    Versteinerten Miene
    die Erde, die gestern noch friedlich grasende Kühe ernährt,
    erbebt.
    Und sich daraus Eine Riesenmaschine erhebt,
    in der Menschen um Menschen
    rastlos eilen von Termin zu Termin,
    in der Laufbänder, Lifte und Rolltreppen,
    die Menschen darin verteilen,
    bis sie sich alle
    um eine einzige Sache dreh’n:
    um
    den letzten verfügbaren Tropfen Zeit
    ist Geld
    Ist das das Ende der Welt?
    Ist das der Menschen Geschick,
    eine Welt,
    wo selbst der Goldesel
    nicht mehr richtig tickt?

    Bleiben Sie stehn.
    Gerade wollten Sie gehn.
    Da sehn Sie plötzlich
    wie Sie sich selber in der Maschine drehn.
    Und nicht nur Sie! Sie können sehn
    wie Ihre Freunde, Bekannten, Verwandten,
    bekannte und unbekannte Gestalten
    vor oder hinter oder neben
    Ihnen das letzte geben,
    um die große Maschine am Leben
    zu halten,
    den ganzen Irrsinn zu verwalten
    und für diesen höheren Sinn
    ihr eigenes einziges Leben zu zähmen.
    Sie öffnen den Mund um zu rufen: Bleib stehn!
    Aber Sie können sich selbst nicht hören.
    Noch lassen Sie alles mit sich geschehn.

    Bleiben Sie stehn und sehn
    wie selbst der Arzt von Symptom zu Symptom,
    von Diagnose zu Diagnose
    vom Kranken zum Kranken hechelt,
    derselbe Arzt
    der noch vor Jahren seinen Patienten
    angelächelt,
    weil er die Muße hatte zu sehn
    wie der Patient zu sich kommt,
    wie er lernt, wieder zu gehen.

    Und genau wie der Arzt von Patient zu Patient
    hecheln Sie heute von Arzt zu Arzt,
    von Heiler zu Heiler,
    von Therapie zu Therapie,
    immer in Angst, ratlos zu sein.
    Dabei würde es manchmal reichen,
    nach innen zu gehn,
    damit die Wunden sich heilsam
    öffnen und wieder schliessen können
    und Sie
    jetzt oder nie
    auf grundlosen Boden stossen
    auf den Strom, aus dem Ihre Kräfte
    kommen, und Ihre Ängste sich wandeln
    und die gebundenen Hände lösen
    zu Handeln. Und Geben.
    Und nehmen.
    Und Sie nehmen Ihr Bett
    Und gehn.

    Bleiben Sie stehn.
    Um zu sehn,
    was inzwischen geschehn.
    Die Ärzte ringen die Hände,
    Ihre Behandlung ist längst nicht zu Ende.
    Der Apotheker ruft:
    Wenigstens noch diese Tabletten
    Sie lachen ihm ins Gesicht.
    Welches geheime Rezept?
    Sie wissen es nicht.
    Betretenes Schweigen.
    Und aus den Wiesen steigen
    Die weissen Nebel wunderbar.
    Und die freundlichen Winde der Hoffnung beginnen zu wehn.

    Bleiben Sie stehn
    Und sehn
    Wie sich die Augen verdrehn
    Bis Sie wieder richtig sehn,
    was unten ist und was oben.
    Wie sich nur im Betrachten
    Die Dinge wandeln und Sie
    Die Welt erkennen im Handeln,
    im Handeln im eigenen Sinn.
    Da wollten Sie immer schon hin.
    Ins Land Ihrer eigenen, kindlichen Träume
    ins Land Ihrer Utopie.
    Erwachsen geworden, kommt sie Ihnen entgegen.
    Sie grüßen verlegen
    und sagen ja, aber das klingt verwegen.
    Doch wenn Sie es recht überlegen, könnte es gehen.
    Und Sie lassen alles liegen und stehn,
    was Ihnen im Weg steht auf Ihrem Weg.

    Bleiben Sie stehn
    und sehn, wie die Welt beginnt
    sich anders zu drehn.
    Sie treten heraus aus dem Trubel,
    im Hintergrund Heiterkeit, Jubel
    mit Ihnen haben auch andre begonnen
    statt zu rennen zu gehen,
    und sich in den Wonnen
    der wiedergefundenen Zeit zu sonnen
    und sich zu fragen,
    wie mag es dem Nachbarn wohl gehen?
    Wann haben Sie ihn zuletzt gesehn?
    Und Sie können kaum glauben,
    was für Zeichen und Wunder
    in unserer verlorenen Zeit geschehn.
    Wie eine Epidemie
    rast die Erkenntnis der Zeit
    um die Welt:
    Zeit ist Liebe, nicht Geld.
    Und überall
    bleiben die Menschen stehn.
    Um zu entdecken,
    was sie bisher nicht gesehn.
    Und wo gestern noch Schrecken
    geherrscht
    beginnen die Feinde einander mit neuen Augen zu sehn.

    Bleiben Sie stehn
    Und sehn
    Wie die Armeen der hilflosen Helfer
    Der verzweifelten Weltenretter
    Stehen bleiben und sich verlegen die Füsse vertreten,
    auf der Suche
    nach neuem, eigenen Sinn.

    Bleiben Sie stehn
    Und nehmen Sie Ihre Tränen
    In Ihre goldenen Hände
    Und Sie wissen genau, was tun.
    Wo früher Riesenmaschinen
    Getaktet die ganze Welt
    Wächst heute ein emsiges Treiben
    Von freundlichen Menschen,
    eine tanzend Gemenge von Machen und Lachen.
    Das Einfachste freilich ist am schwersten zu fassen
    für unsereinen:
    Ob anpacken oder lassen
    Entscheidet der Mensch alleine
    denn es gibt keinen
    der hier Befehle erteilt.
    Da freuen sich selbst die Maschinen,
    sie können jetzt wieder den Menschen dienen.
    Und der Mensch,
    gestern zu Hause im Nirgendwo,
    eben noch Hansdampf
    von allen guten Geistern verlassen
    wird ruhig, gelassen,
    traut kaum seinen Augen und Ohren.
    Die Freude am Leben
    grad noch verloren
    ist wieder da.
    Ja, ja, ja!
    Lasset uns singen, tanzen und springen!
    Machen wir Handstand in allen Gassen,
    Kopfstand in jedem Büro.
    Und zwar hier, nicht irgendwo!
    Und Sie sehn, der Traum darf geschehn.
    Das menschliche Leben,
    das gestern noch droht zu verglimmen,
    beginnt, sich selbst zu verstehn.
    Bleiben Sie stehn!

    (Felix Eder, Juni – Dezember 2016)

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