Weiss

Jetzt bin ich also in Wien. Probenbeginn. Neues Stück, neues Leben, neuer Trubel, neue Leute. Eine Theaterwohnung, die so weiß ist wie ein unbeschriebenes Stück Papier. Und groß! Am ersten Abend weiß ich gar nicht, wo ich mich hinsetzen soll und renne wie eine Tanzmaus von einer Ecke zur anderen. Ein Kontrast zu meiner letzten Unterkunft in Bad Hersfeld, die alt und belebt war, umgeben von einer friedlichen Kleinstadt ohne pulsierende Verlockungen. Hier ist innen alles statisch, weiß und leer und außen lauert die wunderschöne Stadt.

mantel

Nun fahre ich am liebsten immer wieder dorthin, wo ich schon mal war. Mich beruhigt die Vorstellung, etwas schon zu kennen. Hier ist alles fremd um mich herum. Also bleibe ich erstmal lieber drinnen, ich ahne ja, dass das Draußen überwältigend ist. Aber ich liebe auch Herausforderungen und habe Spaß daran, mich in bestehende Systeme einzufügen, mich zu spiegeln in anderer Umgebung. Ich werde es ganz langsam angehen lassen, habe auch mit der Überarbeitung des Buchs genug zu tun am Schreibtisch.

Habe gut geschlafen in diesem weißen Wolkenbett im weißen Raum. Von Theatern geträumt.

Am Morgen habe ich mich gefreut, als ein winziger Käfer mir beim Yoga zugeschaut hat.

Ich blicke auf einen Hinterhof, eine kleine begrünte Dachterrasse und drei große, gefiederte Bäume, die mir sehr fremdartig vorkommen. Sie stehen zwischen Garagen, eingemauert wie große Tiere im Zoo. Keine Robinien, keine Eschen, eher großer Kolbensumach ohne Kolben. Also sie sind meine Mitbewohner hier inmitten der Stadt, wo es so wenig Grün gibt! Es heißt, Wien sei eine Steinwüste, die Hitze wird lange in den Mauern gespeichert und im Sommer ist es unerträglich heiß. Es ist fast Ende September und immer noch sehr warm. Es gibt kaum Grünflächen in meiner Umgebung, keinen Kompost, keinen Biomüll und noch nicht mal eine kleine Pflanze in der Wohnung. Als erstes kaufe ich mir einen Topf Oregano gegen die Einsamkeit.

Gleich gehen die Proben los, wir stechen in See!

Dabei wollte ich eigentlich endlich über Seifen schreiben, das wollte ich schon in Bad Hersfeld…Es liegt mir so am Herzen und ich werde die Seifenherstellung in den Kursen nächstes Jahr unbedingt aufnehmen!

Beim Packen denke ich jedes Mal daran, wie einfach es ist, wenigstens dieses Plastik zu vermeiden. Ich habe kein Shampoo, kein Duschgel und keinen Behälter für Abschminke. Sondern einfach drei Seifen, je nach Dauer des Aufenthalts kann ich sie in Stücke schneiden.  Ich habe ein wenig suchen müssen, um geeignete Produkte zu finden und bin inzwischen sehr froh über das, was ich gefunden habe. Aber, wie gesagt, im nächsten Jahr werden wir uns selbst darum kümmern…

Nun aber zunächst wieder mal Theater! Das Leben ist schön und voller Geschenke!

Der nächste Kurs in München wird am 9.Oktober stattfinden, Newsletter folgt in Kürze.

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Ein Gedanke zu “Weiss

  1. Raphael von Bargen schreibt:

    Als einer ,der sowohl Derm. neuen „in see stechen“ als auch der Freude auf neues angehört,wäre es nur eine Ehre vielleicht eine kleine Moringapflanze dem kühlen weiß der Wohnung zugeben zu dürfen .freue auf die Probe .raphael

    Gefällt 1 Person

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