Würzburg „Prinz von Homburg“

Hallo und Helau,

Ich bin‘s mal wieder. Lange nichts von mir hören lassen. Was ist passiert?

Weinberg Würzburg

Mein Leben hier und da hat eine gewisse Fahrt aufgenommen. Das heißt, dass ich viel Zeit in Zügen verbringe, was mir recht gut gefällt. Weil ich mich immer, sobald ich in einem Zug sitze, abgelöst empfinde von alltäglichen Gedanken, Anforderungen und Verbindlichkeiten und sehr bei mir bin.  Ich kenne niemanden um mich herum, lerne auch fast nie jemanden kennen und versinke in meinen Gedanken. Oft kann ich sehr konzentriert arbeiten, auch weil ich weiß, ich habe nur so und so viel Zeit.

Das ist immer eine Zeit zwischen den Geschichten für mich, Momente, in denen ich die Chance habe, mich neu zu orientieren, zu sortieren. Manchmal mache ich auch schlicht nichts. Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll. Manchmal steigt Panik in mir auf und ich sehe ihr dabei zu. Was mache ich? Ist es verantwortungsvoll? Was kann ich ändern? Hilflos fühle ich mich, schaue hinein in die dunkle Seite des „Es ist doch eh alles schon wurscht. Bienen sterben, Reiche werden immer reicher, die Politik ist im Eimer und auch ich trage meinen Teil dazu vorbei, dass wir leben, als hätten wir 2-3 Erden. Etc.“)

Das schaue ich mir an und versuche, leer zu werden, auch diese Gefühle anzunehmen. Das hilft. Meistens.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, ist, dass ich wieder einmal Theater spiele. Ich liebe es Theater zu spielen, ich kann dagegen nichts tun. Ich mag den Geruch in den Theatern, nach Schminke, nach Scheinwerfern, nach Staub und Schweiß. Jemand anderes zu sein. Die Atmosphäre von gebündelter Energie, wenn alle an einem Strang ziehen, um eine Vorstellung zustande zu bringen. Alte und Junge, KollegInnen aus verschiedensten Abteilungen teilen diesen Moment. Wunderbar.

Homburg

Was ich regelmäßig vergesse und dann immer wieder in albtraumartigen Situationen realisiere, ist, dass ich eine Frau bin. Und nicht mehr jung noch dazu. Das bedeutet, dass ich eigentlich schon ausgestorben sein müsste. Seltsamerweise arbeite ich immer noch. Hin und wieder wenigstens. Darüber kann ich froh sein und bin es auch. Fahre innerlich erschrocken auf, wenn mir klar wird, es gibt in den Stücken kaum noch etwas für mich zu tun. Das kann ich immer kaum fassen. In meinen anderen Lebensbereichen ist das nämlich anders. Da bin ich Teil, da habe ich Gedanken, Gefühle und kann Dinge anstoßen, Projekte voranbringen etc. Auf der Bühne nicht. Und bei den Proben, bei den Besprechungen hinterher dämmere ich weg, weil ich nur so wenig mit der Veranstaltung zu tun habe in den kurzen Momenten, wenn ich ins Geschehen eingreife. Frauenrollen, historische allen voran, sind fast immer bestimmt durch Männer, die agieren. Frauen handeln – meist –  nur in Relationen zu ihnen. Wir haben kaum je Gedanken, sondern Gefühle, und die beziehen sich – auf Männer, genau. Und indem wir diese Stücke spielen, manifestieren wir diese Positionen immer wieder, verfestigen die alten Ideen, anstatt sie zu überwinden. Im „Prinz von Homburg“, der am Samstag hier in Würzburg Premiere haben wird, spielen 7 Männer mit und 2 Frauen. In den neueren Stücken ist die Relation manchmal etwas anders, aber nicht wirklich viel besser. Frauen haben ab einem gewissen Alter zu verschwinden. Im Theater werden aus den verbliebenen Frauen dann hin und wieder Diven, die sich durch viel Manieriertheit und Kratzbürstigkeit auszeichnen. Früher habe ich das nie verstanden, mittlerweile denke ich, dass es daran liegt, dass sie einfach wahrgenommen werden wollen.

Und dann macht mir Theater spielen plötzlich gar keinen Spaß mehr. Dann will ich schnell wieder weg. Ich würde mir wünschen, dass es ein Theater gibt, dass die Rollen nicht nach Geschlechtern verteilt und nach Alter. Dass eine Anfängerin King Lear spielt und ich Romeo. Ich glaube nämlich, dass das geht. Ich fände das so spannend, traut sich aber keiner. Immer, wenn ich Theatermachern davon erzähle, lachen sie kurz auf und machen weiter wie gehabt. Und ich? Ich schüttele mich und gehe raus zu meinen Freunden, den Bäumen, die mir Geschichten erzählen, wo all das keine Rolle spielt.

Und verfolge meine anderen Aufgaben, von denen es auch in diesem Jahr viele gibt. Es gibt für uns alle unendlich viel unendlich Schönes zu tun, wenn wir auf der Suche nach unserer wahren Bestimmung sind. Wenn wir uns entschließen, die Natur zu ehren, zu respektieren und ihr zu dienen, die Angst und die Getrenntheit zu überwinden und mitzuwirken, die Welt zu dem wundervollen Ort zu machen, den wir in manchen Augenblicken schon ahnen.

Im Schloss Hirschgarten sitzen wir immer noch an den Veranstaltungsplänen für dieses Jahr. Außerdem plane ich natürlich wieder Workshops in München und anderen Orten. Bis Ende des Monats hoffen wir, dass wir fertig sind uns sie veröffentlichen können, aber zunächst ist heute Abend Premiere! 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Würzburg „Prinz von Homburg“

  1. Tatjana-Angela schreibt:

    auf der Suche nach nem Rezept für Lärchenspitzensirup hab ich diese Seiten entdeckt…wirklich ein schöner Blog das hier, fühlt sich Seelenverwandt verwandt an, inspiriert und erfreut…sonnige Herzensgrüsse aus dem Südschwarzwald von einer ebenso Pflanzen-Natur und Erdverliebten.

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