Endproben und Glyphosat

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auch ein Kreislauf: Schnecke an der Engelwurz

Während alle Fußball gucken und wir in unserem Theaterkosmos die Abgründe der Menschheit ergründen – das Stück ist sehr finster und sehr intensiv-, passieren politisch wieder brisante Dinge.

Über Glyphosat wird abgestimmt, laut Deutschlandfunk wird erwartet, dass das Mittel für weitere 18 Monate erlaubt bleiben wird. Und über ein Frackingverbot wurde entschieden. Ein Kollege hier in Hersfeld hat für Campact ein Video gegen Glyphosat gedreht, das im Netz kursiert.

Ich lese „Der große Weg hat kein Tor“ von Masanobu Fukuoka über Nahrung, Anbau, Leben von 1975. Er schreibt über seine Anbaumethode, hauptsächlich von Reis und Wintergerste, die er als „Nichts-Tun-Landwirtschaft“ beschreibt.

Den Großteil seines Lebens verbrachte er auf dem Hof seiner Eltern und vervollkommnete die Methode. Ohne zu pflügen baute er Jahr für Jahr Wintergerste und Reis an, beides säte er sogar gleichzeitig aus. Das Stroh des Getreides führte er nach der Ernte wieder dem Boden zu, als Zwischensaat säte er Weißklee. Anschließend begann der Reis, zu wachsen. Und nach der Reisernte kam auch das Reisstroh wieder auf die Felder und der Kreislauf begann von Neuem. Der Boden wurde dank des Mulchens und des Klees von Jahr zu Jahr immer besser und seine Erträge steigerten sich. Natürlich. Ohne Einsatz von Chemie selbstverständlich.

Er achtete die Kreisläufe und die Zusammenhänge und griff so wenig ein wie möglich. Die gefürchtete Reislaus hielten Spinnen im Zaum, die wiederum Frösche anlockten und so weiter. „Man könne unmöglich das Eine ohne das Andere betrachten“, sagte er. Seine Schriften sind Standardwerke der Permakultur, 2013 wurde das Buch in Deutschland vom pala-Verlag neu aufgelegt. Auch über Gemüseanbau hat er geforscht und dazu angeregt, Gemüse wie Wildpflanzen anzubauen.  Wir könnten außerdem unseren Horizont erweitern und nicht nur Gemüse zu essen, das so aussieht wie das aus dem Supermarkt, sondern auch alte, ursprüngliche Wildpflanzen in unseren Speiseplan aufnehmen. Auch nahezu alle Insekten seien essbar…

Und er beschrieb schonungslos, warum er mit seiner so erfolgreichen Methode letztlich scheitern würde. Denn anstatt darauf zu setzen und natürliche Nahrungsmittel zu produzieren, begann die Abhängigkeit von „modernen“ chemischen Mitteln. Die Industrie brachte Arbeitsplätze, das war schon damals das schlagende Argument und um die zu erhalten mussten die Produkte abgesetzt werden. Natürliche Kreisläufe spielten angesichts des Profits keine Rolle. Die Forschung war begeistert von seinen Methoden – und unterstützte ihn nicht.

Selten habe ich ein Buch so verschlungen, es ist so anschaulich und gut geschrieben und macht Lust auf die Landarbeit!

Er beschreibt ein einfaches Leben, ohne viel Fleisch. Er meint, dass ein Bauer, der nichts von Gesundheit verstünde, letztlich auch keine gesunden Nahrungsmittel herstellen könne. Und er fragt: „Was soll aus einer Gesellschaft werden, in der 95% der Bevölkerung nichts mit der Nahrungsmittelproduktion zu tun haben?“

Damit beschäftige ich mich, wenn ich mal nicht geschminkt werde und mit einem ins Gesicht geklebten Mikrofon über eine riesige Bühne renne und mit anderen Menschen zusammen auswendig gelernte Texte spreche. Manchmal ist es so absurd. Wenn wir beispielweise auf der Probebühne in dem nur angedeuteten Bühnenbild imaginäre Treppen herauf- und herabstürzen oder uns unsichtbare Requisiten reichen. Was das Publikum sehen kann, ist ja nur ein winziger Teil der Arbeit, hinter der Bühne sind zig Menschen an der Vorstellung beteiligt, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Es ist ja alles live und prickelnd.

Und  – ach! – es macht Spaß!!