In der Corona-Zeit

Newsletter krautundueben Frühjahr 2020

IMG_0713

Statt herumzureisen, Kurse zu geben, Theater zu spielen und viel Zeit im Zug zu verbringen wie gewohnt, sitze ich hier im Schloss. Zu tun gibt es hier immer viel. Wir kümmern uns um unser Herzstück – die Kräutergärtnerei.

Ich lese gerade „Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not“ von Annie Francé-Harrar. Ein Buch, geschrieben in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Bild, das sie darin beschreibt, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Leider finde ich in dem dicken Buch die genaue Stelle nicht mehr, deswegen sinngemäß: Als Marco Polo im 13. Jahrhundert von seiner China-Fahrt zurückkam, berichtete er von den blühenden Landschaften dort, in denen gearbeitet wurde, um zu leben. Alle wurden satt. Mit dem Boden wurde sorgsam umgegangen.

Niemand im zerstrittenen Europa glaubte seinen Erzählungen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, gegeneinander Krieg zu führen, auszubeuten oder ausgebeutet zu werden, Hexen zu verbrennen und im Namen der Kirche zu morden, unendlich zu leiden. Nebenbei, um einigermaßen satt zu werden, wurde aus dem Land und aus den Tieren herausgepresst, was nur ging. Und das Land wurde karger.

Anstatt besser zu verstehen, wie wir Einklang schaffen könnten, wurde gegen Feinde angegangen.

Viel Zeit ist seither vergangen und immer noch kämpfen wir gegen Feinde, anstatt wirklich verstehen zu wollen. Den Boden, auf und von dem wir leben, und in dem wir einst begraben werden, den sollten wir verstehen und kennen. Und schätzen und achten. Meist vermeiden wir genau dies bis heute, sondern beuten weiter aus. Das hat sich nicht geändert.

Und dabei gibt es darüber inzwischen so viel wunderbares Wissen! All diese tollen Köpfe, die arbeiten, um Feinde zu bekämpfen wie Don Quichote seine Windmühlen, sollten lieber ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, zu lernen, wie das Land, die Menschen und die Tiere geheilt und satt werden können. Miteinander.

Mein Beitrag für dieses Miteinander steht in meinem neuen Buch. „Meine magische Heilküche“ heißt es und ich finde, es ist sehr schön geworden, viele Menschen haben mit viel Liebe daran gearbeitet. Leider kann ich es momentan weder in München noch irgendwo sonst vorstellen, einen kurzen Einblick kriegt man im Fernsehen im HR. In der Sendung „Herkules“ vom Sonntag, 26.4. (dort stelle ich es kurz vor – man kann man die Sendung in der Mediathek anschauen). Es ist ein Kochbuch und ein Ratgeber darüber, was man wann essen sollte und wozu das Essen dann gut ist. Ich erzähle viel von meiner Oma Lene und von ihrer Lebensweise, 107 Jahre alt geworden ist sie.

Ich vermisse es, Kurse geben zu können und mich mit Menschen auszutauschen. Vom Leben hier im Schloss könnte ich viel erzählen – aber das steht in dem Newsletter vom Schloss. Wir haben es gut hier, wir sind gesund und zu siebt gewesen die meiste Zeit; wir fünf und meine Tochter Romy war seit der Schulschließung in Bayern da und eine Praktikantin ist immer noch hier. Eine intensive Zeit mit vielen schönen Momenten neben all den Sorgen, die wir auch teilen. Das Theater vermisse ich auch.

Aber die Arbeit hier in der Stille ist wunderbar.

Da wir alles andere geschlossen haben, haben wir ein paar Ideen entwickelt, die uns ein wenig über die Zeit hinweghelfen könnten. Wer mag, der kann sie sich auf unserer Website www.schloss-hirschgarten.de anschauen, den Newsletter kann man dort unter „Veranstaltungen“ abonnieren.

Die eine Idee ist, dass man Gutscheine für unser B&B erwerben kann, die 2 Jahre gültig sind. Denn ins Ausland reisen kann man dieses Jahr sowieso nicht, warum also nicht bei uns Urlaub machen und uns, unsere Arbeit und die zauberhafte Gegend hier kennenlernen?

Eine weitere ist, dass wir ab dem 9.5. unsere Gärtnerei jeden Samstag von 10-16 Uhr öffnen, um Pflanzen, Bücher, Tees, Kräutersalze zu verkaufen. Aber das ist wohl eher etwas für die Leute hier.

Danke für Euer Interesse, es haben mir einige geschrieben und gebeten, dass ich mich mal wieder auf diesem Weg melde. Es wäre schön, wenn sich jemand aus dem Süden für die Gutscheine anmeldet, das hilft uns momentan am meisten!

Herzensgrüße, Bettina

 

 

 

 

 

Ernten und verarbeiten. Buchenegg 3

Was für ein Sommer! Welche Kraft und welche Fülle! Was für ein schönes Wochenende!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lein und Ackersenf

Es gab so viel zu ernten, dass ich gar nicht recht wusste, wo anfangen und erstmal ein leeres Blatt präsentierte als Plan für den Samstag.

Am Freitagabend habe ich als Einführung darüber gesprochen, dass am 15.8., Maria Himmelfahrt, der Kräuterweihtag gewesen ist. Viele verschiedene Bräuche und  vorchristliche Fruchtbarkeitsrituale ranken sich um ihn. Eine Zeitlang war es von der Kirche verboten, dass die Frauen ihre „Kräuterbuschen“ weihen ließen, aber dann entschloss sich die Kirche, die Tradition zu übernehmen.

Im Anschluss an den Kräuterweihtag kommen die „Frauendreißiger“, die Zeit, in der die Frauen ihre Heilkräuter für das kommende Jahr sammelten. Die Hitze verstärkt die ätherischen Öle der Pflanzen und die Kräuter haben die stärkste Kraft.

Wir gingen früh ins Bett, denn am nächsten Morgen habe ich alle um 6:00 geweckt und wir sind, nur etwas Warmes über die Schlafanzüge angezogen und ohne viel zu reden rausgegangen und jeder hat sich einen Strauß gepflückt. Den „Kräuterbuschen“ eben, der am 15.8. in der Kirche geweiht wird. Gut, darauf haben wir verzichten müssen, aber auch so war es eine ganz spezielle Erfahrung, im Halbschlaf über das Gelände zu gehen und sich leiten zu lassen zu den Pflanzen, die uns im nächsten Jahr begleiten sollen. Die Sträuße werden gebunden und aufgehängt und bei Bedarf nimmt man etwas davon ab, bereitet sich einen Tee oder räuchert sie.

Später gab es Habermus und dann haben wir einen Plan gemacht, auf dem nur stand, dass wir am Abend Hildegard von Bingen- Suppenwürze herstellen wollen, damit sie über Nacht im Ofen trocknen kann. Feuer machen stand auch noch drauf, in dem wollten wir alte Kräuter aus dem Vorjahr verbrennen und uns etwas wünschen.

Und dann zogen wir los. Brennnesselsamen ernteten wir als erstes, damit sie Zeit hatten, über den Tag in der Sonne zu trocknen. Die Calendulablüten legten wir gleich in Olivenöl ein und ernteten Schafgarbe, um daraus eine Salbe zu kochen.

Vogelbeeren, Holunderbeeren und Äpfel sammelten wir für ein Kompott.

Und unterwegs nahmen wir so einiges mit, aus dem wir teilweise Tinkturen ansetzten…

Am Ende legten wir alles auf den Tisch und da waren dann:

Zitronenverbene, Eisenkraut, die getrockneten Brennnesselsamen, Eukalyptus, Mutterkraut, Anisysop, Schafgarbe, Dost, Hagebutten, Frauenmantel, Melisse, Hopfen, Holunder, Vogelbeeren, Krauseminze, Thymian, Salbei, Currykraut, Muskatellersalbei, Estragon, Rosmarin, Karde, Ringelblumen, Beifuß.

Foto(2)

Der Tisch war voll und wir waren reichlich müde. Gemeinsam kochten wir ein Curry aus dem Gemüse, das wir im Garten fanden und aßen das Kompott als Nachtisch.

Feuer? Ging nicht mehr. Nix ging mehr, wir waren platt, durchgeglüht und sehr zufrieden und glücklich!

Am nächsten Morgen gab es Meditation und eine der Teilnehmerinnen gab eine Yogastunde und dann war wieder Ausklang bei Artemisia in Stiefenhofen.

Vielen Dank an alle!

Der nächste Kurs wird der letzte in diesem Jahr dort sein, denn dann kann es schneien und man kann auch die Zimmer nicht heizen.

Wurzeln und Buchenegg: 16.-18.10 „Wurzeln und Weltenhaus“

Wir wollen Wurzeln ernten, Salbe und Tinkturen machen und das Weltenhaus in Stiefenhofen besuchen.

Und die nächsten „krautundueben“-Kurse in München:

ÖBZ: 26.9. 11:00-13:30: Die wilde Karde und andere Wurzeltinkturen

Nach dem 23.9. erntet man nicht mehr die oberirdischen Pflanzenteile. Wir wollen uns mit Tinkturen, deren Herstellung und Wirkungsweise beschäftigen und eine Wilde Karde-Tinktur zubereiten. Sie wird eingesetzt zur Unterstützung des Immunsystems und ist bekannt geworden als Mittel gegen Borreliose.

Ich bringe andere Tinkturen mit zur Demonstration und ein Vogelbeerkompott…

Kosten: 15€

 

O’Pflanzt is: 27. 9. 11:00-14:00 Birnenbärwurzhonig

Die Birnen sind reif und rechtzeitig vor der Winterzeit wollen wir unser Verdauungsystem stärken mit dem Birnenbärwurzhonig, dem „Hildegard-Gold“, das wir gemeinsam zubereiten.

Kubebenfrüchte sorgen für einen „aktiven Geist“ und Galgantkekse für eine gute Durchblutung, vor allem der kleinen Gefäße. Beides werde ich mitbringen.

Heute soll es um verschiedene Frauenkräuter gehen und die Anwendung von der Yamswurzel. Und zum Ausgleich (für die Männer) auch um den Michaelitag (29.9.).

Mitglieder:11€, Nichtmitglieder: 14€

Anmeldungen und Informationen unter krautundueben@posteo.de