In der Corona-Zeit

Newsletter krautundueben Frühjahr 2020

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Statt herumzureisen, Kurse zu geben, Theater zu spielen und viel Zeit im Zug zu verbringen wie gewohnt, sitze ich hier im Schloss. Zu tun gibt es hier immer viel. Wir kümmern uns um unser Herzstück – die Kräutergärtnerei.

Ich lese gerade „Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not“ von Annie Francé-Harrar. Ein Buch, geschrieben in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Bild, das sie darin beschreibt, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Leider finde ich in dem dicken Buch die genaue Stelle nicht mehr, deswegen sinngemäß: Als Marco Polo im 13. Jahrhundert von seiner China-Fahrt zurückkam, berichtete er von den blühenden Landschaften dort, in denen gearbeitet wurde, um zu leben. Alle wurden satt. Mit dem Boden wurde sorgsam umgegangen.

Niemand im zerstrittenen Europa glaubte seinen Erzählungen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, gegeneinander Krieg zu führen, auszubeuten oder ausgebeutet zu werden, Hexen zu verbrennen und im Namen der Kirche zu morden, unendlich zu leiden. Nebenbei, um einigermaßen satt zu werden, wurde aus dem Land und aus den Tieren herausgepresst, was nur ging. Und das Land wurde karger.

Anstatt besser zu verstehen, wie wir Einklang schaffen könnten, wurde gegen Feinde angegangen.

Viel Zeit ist seither vergangen und immer noch kämpfen wir gegen Feinde, anstatt wirklich verstehen zu wollen. Den Boden, auf und von dem wir leben, und in dem wir einst begraben werden, den sollten wir verstehen und kennen. Und schätzen und achten. Meist vermeiden wir genau dies bis heute, sondern beuten weiter aus. Das hat sich nicht geändert.

Und dabei gibt es darüber inzwischen so viel wunderbares Wissen! All diese tollen Köpfe, die arbeiten, um Feinde zu bekämpfen wie Don Quichote seine Windmühlen, sollten lieber ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, zu lernen, wie das Land, die Menschen und die Tiere geheilt und satt werden können. Miteinander.

Mein Beitrag für dieses Miteinander steht in meinem neuen Buch. „Meine magische Heilküche“ heißt es und ich finde, es ist sehr schön geworden, viele Menschen haben mit viel Liebe daran gearbeitet. Leider kann ich es momentan weder in München noch irgendwo sonst vorstellen, einen kurzen Einblick kriegt man im Fernsehen im HR. In der Sendung „Herkules“ vom Sonntag, 26.4. (dort stelle ich es kurz vor – man kann man die Sendung in der Mediathek anschauen). Es ist ein Kochbuch und ein Ratgeber darüber, was man wann essen sollte und wozu das Essen dann gut ist. Ich erzähle viel von meiner Oma Lene und von ihrer Lebensweise, 107 Jahre alt geworden ist sie.

Ich vermisse es, Kurse geben zu können und mich mit Menschen auszutauschen. Vom Leben hier im Schloss könnte ich viel erzählen – aber das steht in dem Newsletter vom Schloss. Wir haben es gut hier, wir sind gesund und zu siebt gewesen die meiste Zeit; wir fünf und meine Tochter Romy war seit der Schulschließung in Bayern da und eine Praktikantin ist immer noch hier. Eine intensive Zeit mit vielen schönen Momenten neben all den Sorgen, die wir auch teilen. Das Theater vermisse ich auch.

Aber die Arbeit hier in der Stille ist wunderbar.

Da wir alles andere geschlossen haben, haben wir ein paar Ideen entwickelt, die uns ein wenig über die Zeit hinweghelfen könnten. Wer mag, der kann sie sich auf unserer Website www.schloss-hirschgarten.de anschauen, den Newsletter kann man dort unter „Veranstaltungen“ abonnieren.

Die eine Idee ist, dass man Gutscheine für unser B&B erwerben kann, die 2 Jahre gültig sind. Denn ins Ausland reisen kann man dieses Jahr sowieso nicht, warum also nicht bei uns Urlaub machen und uns, unsere Arbeit und die zauberhafte Gegend hier kennenlernen?

Eine weitere ist, dass wir ab dem 9.5. unsere Gärtnerei jeden Samstag von 10-16 Uhr öffnen, um Pflanzen, Bücher, Tees, Kräutersalze zu verkaufen. Aber das ist wohl eher etwas für die Leute hier.

Danke für Euer Interesse, es haben mir einige geschrieben und gebeten, dass ich mich mal wieder auf diesem Weg melde. Es wäre schön, wenn sich jemand aus dem Süden für die Gutscheine anmeldet, das hilft uns momentan am meisten!

Herzensgrüße, Bettina

 

 

 

 

 

Das neue Jahr/ der Eber und der Morgen

Eine Gruppe von Leuten, die sich vor Kurzem noch vollkommen fremd waren, steht zusammen auf der Bühne, fröhlich, gespannt, aufgeregt, noch etwas betrunken von der letzten Feier, denn gefeiert wird viel in dieser Produktion. Alle sind sich einig, dass man solche Nächte nur alle Jubeljahre mal erlebt. Eine Energie, die man greifen kann. Vital, nicht immer nur freundlich und harmonisch, es gibt auch Eitelkeiten und Verletzungen.

Das Tolle ist, dass es aber kein Alter gibt, nur die gemeinsame Aufgabe, die verbindet. Die Verbundenheit, das unsichtbare Netz ist wahnsinnig schön zu erleben. Bestenfalls kann das Publikum bei den Aufführungen auch einbezogen werden. Das klappt nicht immer, zugegeben.

Das neue Jahr hat endgültig angefangen, der 6.1. ist vorbei, die Heiligen drei Könige sind dagewesen und damit sind auch die Rauhnächte beendet, die Zeit, in der uns die Geister besonders nah sind, die Tore sind wieder verschlossen.

In der alten germanischen Mythologie kommt nun der goldborstige Eber (Gullinborsti) des gütigen Freyr, dem altgermanischen Gottes der Fruchtbarkeit und schiebt mit seiner ungeheuren Kraft das Jahresrad wieder an. Die dunkelste Zeit ist nun vorbei, die Tage werden länger und in den Knospen regt sich, wie man immer sagt, neues Leben.

Das Bild gefällt mir so gut. Als ob die ganze Welt für eine Weile stillgestanden hätte wie ein altes Karussell, an dem der Stecker gezogen wurde. Und nun kommt einer und schiebt an, damit es wieder ins Rotieren kommt. Wie schwer das ist! Er schnaubt und bohrt seine spitzen Hufe in den Boden und endlich überwindet er den Punkt des Stillstands und kommt in die Bewegung. Und das Karussell beginnt, sich zu drehen, die Musik eiert anfangs und die Lichter flackern. Unsere Tradition, an Silvester Glücksschweine zu verschenken, geht auf diesen Ursprung zurück! Und in dem Glückssymbol des vierblättrigen Kleeblatts versteckt sich die Nabe des Rads!

Das Spiel geht wieder weiter. Nächster Song! Haben wir gerufen in dieser Nacht, weil wir nicht aufhören wollten zu tanzen.

Und am nächsten Morgen strahlt die Sonne.

Das Folgende hat jetzt nicht direkt etwas mit Kräuterheilkunde und Pflanzen zu tun, aber von denen gibt es zurzeit ja auch nicht ganz so viele. Deshalb hier meine Tipps für einen guten Start in den Tag, ein mixed tape aus verschiedensten Kulturen:

Die frühe Sonne (und auch die späte, aber die frühe ist besser), wenn sie noch nicht ganz so kräftig strahlt, eignet sich für eine schöne Übung, die wir aus dem fernen Osten kennen: das Sonnenblinzeln.

Natürlich draußen oder am geöffneten Fenster blinzelt man in die Sonne, vielleicht 10mal. Es soll angenehm sein. Nicht länger, die Gefahr ist, dass man sich die Netzhaut verbrennt! Dann die Augen für eine kurze Weile schließen. Was passiert? Außer, dass man etwas geblendet ist? Es gibt nirgendwo sonst diesen Zugang über die Netzhaut der Augen zur Mitte des Gehirns, zum Hypothalamus. Schulmedizinisch gesehen kann man es verkürzt so beschreiben: Der Hypothalamus  reagiert mit einer verstärkten Produktion von Hormonen, die wiederum eine Kaskade von anderen Hormonen in Gang setzen, die auch mitspielen wollen. Und das gibt demn Körper letztendlich das Gefühl,  alles wird gut.  Voilà, das hat keiner so gewusst von denen, die sich das ausgedacht haben, aber gespürt haben sie es wohl. Probiert es aus, es fühlt sich wirklich toll an. Nur bitte nicht übertreiben, und nur die frühe oder späte , flache Sonne nutzen.

Weiter geht es mit dem Zähneputzen: Hildegard von Bingen beschreibt, dass man am frühen Morgen den Schleim aus dem Mund mit einer Bürste und –ganz wichtig- kaltem Wasser entfernen soll, von den Zähnen und der Zunge. Gleiches mit Gleichem. Der Schleim ist für sie kalt und löst sich deshalb mit kaltem Wasser am besten. Zunge und Zahnfleisch werden massiert. Und der Geschmack von totem Hund im Mund, mit dem man besonders nach besagten Nächten aufwacht, wird besser…

Zungenreinigen ist auch ganz wichtig im Ayurveda, es gibt schöne Geräte aus Silber dafür. Die gute alte Zahnbürste tut es für den Anfang aber auch…

Als nächstes beim Duschen kalt aufhören, lohnt sich, lässt die Haut einfach langsamer altern, schreibe ich, weil das vielleicht überzeugender klingt als Abwehrkräfte steigern und so.

Und, für alle mit Fußproblemen (also sehr sehr viele): beim Duschen fallen mir immer meine Füße ein und auf, besonders der beginnende Hallux valgus. Mal abgesehen davon, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Milzproblemen und Plattfüßen (keine Angst, weiter lasse ich mich dazu jetzt nicht ein, das würde zu lange dauern und ist nicht für viele so interessant), es gibt eine herrliche Methode, Fußschmerzen vorzubeugen und zu beseitigen: Spiraltherapie nennt sich das. Die Therapeuten stellen einem jeden einzelnen Muskel und jedes Gelenk vor, und es gibt sehr viele davon und sie trainieren erst die Beweglichkeit und dann beginnen sie mit dem Muskelaufbau. Hochinteressant! Am Anfang sitzt man da wie ein Baby und versucht, seinem Großzeh den Befehl zu geben, sich hin- und herzubewegen – und nichts passiert! Man kann quasi seinem Gehirn dabei zusehen, wie es neue Synapsen bildet und auf einmal klappt es. Leider kann nicht der Therapeut allein einem die Schmerzen nehmen, arbeiten muss man dann zuhause, wie gesagt, unter der Dusche und so weiter. Aber wenn dann die Schmerzen verschwinden und man auch mal wieder so einen Abend auf den Mörder Highheels übersteht, denkt man – naja, gar nichts wahrscheinlich, weil die Schmerzen sind ja weg.

Und für Frauen: eine wirklich tolle Anwendung von Kneipp ist die Spülung der Vagina mit kaltem Wasser! Bestenfalls setzt man sich auf einen großen Eimer oder eine Sitzbadewanne, zur Not spült man mit der Dusche. Das kann ruhig ein paar Minuten dauern, mit der Hand immer wieder das Wasser in die Vagina hinein. Die Durchblutung wird gesteigert, das Milieu verbessert und entgiftet. So mancher Zyklus kam allein durch diese Maßnahme schon wieder in Ordnung! Ganz abgesehen von Pilzerkrankungen bis hin zu beunruhigenden PAP-Werten.

Das Programm kann man natürlich endlos fortsetzen, Sport, Yoga, Wäsche waschen oder was einem sonst noch so einfällt, ist ja klar.

Danach geht es weiter mit dem Frühstück, doch dazu ein anderes Mal mehr!