Festspiele

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Waldmeister

Ich bin in Bad Hersfeld und probe für die Festspiele, schon ein paar Tage bin ich hier und habe mich langsam eingewöhnt. Die ersten Probentage sind immer sehr aufregend. Hier ist die besondere Situation, dass nun nach und nach auch die Fernseh-Star-Kollegen eintreffen und das Interesse und Geschwirr der Presse anziehen. Das ist lustig zu beobachten. Kenne ich noch nicht. Wir sind nie allein.

Die Premiere ist wohl schon ausverkauft, Vorstellungen sind vom 24.6.-31.7. „Hexenjagd“, es geht um geheimes Wissen und die gefährliche Macht der Frauen. Wie Gerüchte entstehen, sich Leidenschaften nicht unterdrücken lassen und Opfer zu Tätern werden…

Was ich vorher nicht gewusst haben, ist, mit welchem zeitlichen Aufwand geprobt wird. Ich habe nie frei, so scheint mir, jedenfalls nicht so, dass ich es im Vorhinein weiß und planen kann. Die Tage für die Kurse hatte ich zwar angegeben, aber das bedeutet nichts im Angesicht der Tatsache, dass die Probenzeit so kurz ist. Auch neu für mich, aber beim Festspiel-Theater gelten scheinbar andere Regeln. Gar keine eigentlich.

°°°Der Mai-Kurs bei O’Pflanzt is an diesem Wochenende wird deshalb also ausfallen müssen und wohl auch der Juni-Termin, das ist noch nicht ganz sicher. Das tut mir wahnsinnig leid!

 

Wir wollten den Wermutwein kochen und ich wollte Waldmeistersirup mitbringen. Wermutwein gegen „alle Erschöpfungen“, den bräuchte ich hier dringend und auch den Waldmeistersirup. In ihm ist die Herzlichkeit des Waldmeisters eingefangen,  er macht das Herz stark und das Gemüt fröhlich.

Wer mag, kann sich den Waldmeistersirup kochen, hier ist das Rezept:

Waldmeistersirup: 750 g Zucker, 3 große Zitronen, etwa 15-20 Waldmeisterstängel kopfüber aufhängen und trocknen. Wenn sie gut getrocknet wurden, können Blüten dabei sein, junge Stängel, die noch nicht geblüht haben, müssen nicht so gut durchgetrocknet sein. Die Stängel werden mit etwa 200 ml heißem Wasser übergossen und der Tee sollte etwa eine Viertelstunde ziehen, dann wird das Kraut entfernt. Einen Liter Wasser mit dem Zucker vermischen, aufkochen und solange weiterkochen lassen, bis die Menge eindeutig reduziert ist und etwas zähflüssig geworden ist. Dann vom Herd nehmen, den Waldmeistertee und den Saft von den Zitronen dazu gießen. In Flaschen abfüllen, er hält etwa ein halbes Jahr, wird aber meistens schon vorher getrunken.

Ich melde mich wieder von hier, wenn ich weiß, ob ich im Juni kommen kann….

Vielleicht mag jemand nach Bad Hersfeld kommen?  www.bad-hersfelder-festspiele.de

Alles Liebe, Bettina

 

 

 

 

Wermut oder wer das findet, was er gesucht hat, verpasst vielleicht etwas viel Besseres…

Was für ein schöner Regen! Durch tiefe Pfützen platschen, die Luft wird gewaschen, der Keller läuft voll; ich setze mich gern an den Computer mit einem Glas warmem Wasser mit Waldmeistersirup…

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Das ist Tee. Noch nicht einmal das Foto vom Wermut hat sich erhalten. Es ist weg. Die Schnecken?

Ich gebe ja seit einiger Zeit diese Kurse bei Opflanzt is. Anfang des Jahres wurde ich gebeten, das Programm zu erstellen. Das war eine intensive Zeit für mich und auch eine große Aufgabe, denn ich arbeite am liebsten mit den aktuellen Pflanzen, die man sehen , riechen, schmecken, fühlen kann und nicht  mit powerpoint-Präsentationen. Und man weiß am Anfang des Jahres noch nicht so genau, was wann wie gewachsen ist.

Und nun kam der Juni-Kurs, bei dem ich die Hildegard-Wermutkur besprechen wollte. Den Wermuttrank bereite ich aus der Pflanze in meinem Garten zu, was besonders einfach geht, seitdem ich mir letztes Jahr eine Frischsaftpresse gekauft habe. Tolle Kur, einfache Sache, so weit so gut. Den Wermuttrank nimmt man von Mai bis Oktober jeden zweiten Tag nüchtern vor dem Frühstück ein, jeweils ein Likörglas. Den „wichtigsten Meister gegen alle Erschöpfungen“ hat sie es genannt, er klärt die Nieren und das Blut und beugt so Arteriosklerose vor und reinigt die Augen.Ich habe mich schon richtig gefreut auf den bitter-süßen, aromatischen Geschmack! Wermut, eine der bittersten Pflanzen, die wir haben, ist dabei nicht so kühlend wie andere Bitterpflanzen, sondern hat viele ätherische Öle, die wärmend wirken.

So. Ich gehe in den Garten zu meinem Wermut und – er ist weg! Nicht mehr da. Eine 5jährige Pflanze, die keine Feinde zu haben schien.

Hm, denke ich und besorge mir vorsichtshalber rechtzeitig eine neue, damit ich dann ernten kann, wenn der Kurs ansteht. Pflanze sie ein und fahre in den Urlaub.

Komme zurück und finde – nichts! Auch diese Pflanze vom Erdboden verschwunden! Die Schnecken haben sich doch noch nie dafür interessiert, dieses Jahr scheinen auch sie eine Kur gegen ihre Erschöpfungen zu brauchen.

Schnecken, so habe ich neulich in einer Abhandlung gelesen, wollen eigentlich nur eines: aufräumen. Sie wittern Pflanzen und verstoffwechseln sie. An sich habe ich ja nichts dagegen, nur momentan hätte ich gern einen Verhandlungsspielraum mit ihnen. Ich würde ihnen gewisse Pflanzen anbieten, wenn sie andere dafür in Ruhe lassen. Naja.

Noch bin ich gelassen und denke, es gibt ja noch andere Quellen für Wermut…

Nein, die gibt es nicht, muss ich feststellen. Den Kräuterproduzenten hier im Münchner Norden, den ein Freund neulich beim Motorradfahren entdeckt hat, finde ich tatsächlich nach 2-stündiger Suche und das ist eine andere, traurige Geschichte: ein Riesenhof, „Kräuter und Heilpflanzen“ steht draußen angeschrieben. Riesiges, verlassenes Gelände, aber sehr proper aufgeräumt, schon die Einfahrt ist ersichtlich unkrautbefreit und mir schwant nichts Gutes. Und wirklich: Schließlich finde ich 2 Arbeiter und spreche sie an. Nein, Wermut führen sie schon lange nicht mehr, früher, ja, da gab es das schon, aber das wird heute nicht mehr nachgefragt. Was sich denn machen, will ich wissen. „Petersilie, Schnittlauch, Dill, ein bisschen Liebstöckel.Kommt alles in die Trocknungsanlage.“ „Konventionell?“,  hätte ich gar nicht fragen brauchen. Ich will einen Liebstöckel und einen Dill mitnehmen, der eine geht 2 Pflanzen holen. Der andere kommt zurück, und das war echt gruselig: „Ich hobs gseng. Nachts umma 3, da spritzens alle!“, raunt er mir zu. Ich schaue mich um, aber er meint mich, das ist klar: „Was?!“ –„Alle! Die mit ihrem Bio-Anbau! Heimlich, alle spritzens Gift. Ist reiner Beschiss!“ Damit geht er. Und der andere kommt zurück. Erleichtert nehme ich die beiden Pflanzen, drücke ihm 5 € in die Hand und fühle mich so, als hätte ich gerade 2 Tiere aus der Massentierhaltung befreit.

Kurz, so geht es weiter: es ist kein Wermut aufzutreiben. Ich rufe noch bei online-Händlern an und werde fündig, ja, in Norddeutschland gibt es noch kleine Pflänzchen, wieviel ich bräuchte? Ich erkundige mich nach den Lieferzeiten, 4-6 Wochen, „Wir ham jo Säsong!“, das nützt mir also jetzt auch nichts.

Ein letzter Versuch, das ÖBZ bei mir um die Ecke, nein, auch dort nix. ABER: die Leute sind so nett zu mir, als ich spontan hinfahre und durch den Garten geführt werde. Ja, man hat schon von mir  und meinen Kursengehört…

…Und nun werde ich wohl auch dort ab und an Kurse geben dürfen!!

Was man am Ende findet, ist nicht immer das, was man unbedingt gesucht hat, aber vielleicht etwas viel Besseres.

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                                                                                                                                                 Regen in Buchenegg

Wenn dies jemand liest, der eine gesunde lebende Wermutpflanze hat und davon etwas abgeben kann, der möge sich bitte bei mir melden…

Die nächsten Kurse:

3.-5.7. Waldkurs in Buchenegg (Fast voll!)

12.7. bei Opflanzt: Kräutersalze und andere enzymat. Auszüge, Johanniskräuter, Giftpflanzen. Und, wer weiß, vielleicht treibe ich genug Wermut auf…

26.7. bei Opflanzt: Calendulasalbe, Wolfskräuter, Fliederbeersuppe und Mädesüß-Wasser

Änderungen vorbehalten!!!

Anmeldungen unter krautundueben@posteo.de